Crowdfunding für Verlage

Was ist Crowdfunding?

Crowdfunding bezeichnet die gemeinschaftliche (Vor-)Finanzierung von Projekten durch eine Vielzahl von Personen (Crowd), die sich über entsprechende Plattformen (wie z.B. StartNext) beteiligen. Hierbei werden Ideen, Konzepte oder fertige Buchprojekte präsentiert, um Unterstützer:innen zu gewinnen, die Bücher vorbestellen und/oder finanzielle Mittel beisteuern.

Immer mehr Verlage nutzen Crowdfunding, um ihre Projekte umzusetzen, ohne sich durch ein übermäßiges finanzielles Risiko zu lähmen oder durch zu viel gebundenes Kapital handlungsunfähig zu machen.

Für uns geht es beim Crowdfunding meist in erster Linie um eine Vorfinanzierung der Druck- und Fremdkosten. Durch die Deckung eines Teils der Kosten wird das Projekt besser planbar und das Risiko überschaubarer. Trotzdem liegt ein Großteil des Risikos immer noch beim Verlag.

Unsere Crowdfunding-Kampagnen

Verlegen kommt von vorlegen

Zumindest ist das eine der Erklärungen zur Herkunft des Wortes »Verlag«. Mit vorlegen ist dabei das Vorstrecken finanzieller Mittel zur Veröffentlichung eines Buches gemeint. Früher war der Weg zum gedruckten und veröffentlichten Buch noch wesentlich steiniger und vor allem kostenintensiver als heute. Ohne finanzstarken Partner war an eine Veröffentlichung nicht zu denken. Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Heute kann jede:r über Print on Demand im Selfpublishing beliebige Inhalte veröffentlichen. Es gibt keine Qualitätskontrolle für die Leser:innen und keine Sicherheit für die Autor:innen, dass sie das volle Potenzial ihrer Idee ausgeschöpft haben.

Als Verlag der Ideen kuratieren wir unser Programm, wir formen Gesamtaussagen und wirken als Reflexionsfläche und Sparringspartner für unsere Autor:innen und Illustrator:innen. Wir verstehen uns nicht als Vertriebs- und Marketingmaschine, sondern als kreativen, qualitätssichernden Faktor, der bei der Entstehung der Inhalte mitwirkt.

Ganz »nebenbei« kümmern wir uns natürlich ganz klassisch um Finanzierung, Herstellung, Marketing und Vertrieb. Eine komplett unabhängige Vorfinanzierung unserer Projekte (ohne Crowdfunding) ist zwar auf Dauer wünschenswert und ausdrückliches Ziel, wir sehen sie jedoch nicht als maßgeblichen Ausdruck guter verlegerischer Arbeit. Ganz im Gegenteil: Erfolgreich umgesetzte Kampagnen zeigen uns, dass es genug Menschen gibt, die lieben, was wir tun. Das motiviert unglaublich!

Pay what you want – der echte Preis der Bücher

Die Fixkosten für die Umsetzung eines Buchprojekts sind relativ hoch. Egal, wie oft sich ein Buch verkauft, die Kosten für Lektorat, Korrektorat, Layout, Satz und Herstellung (Verlag) bleiben die gleichen. Für die jeweiligen Genres und Ausstattungen der Bücher haben sich gewisse Preisspannen etabliert, die von den Leser:innen als fair empfunden werden. Auch als kleiner Verlag versuchen wir, uns an diesen zu orientieren, was meist zu massivem und chronischem Schönrechnen und damit zu Selbstausbeutung führt.

Bei kleinen, über den Buchhandel verkauften Auflagen von 1000 Exemplaren oder weniger (was bei kleinen Verlagen keine Seltenheit ist) müsste ein Buch bei einer realistischen Kalkulation oft gut zwei Drittel teurer sein, als es de facto im Laden steht. Und das nur, um die Kosten zu decken. Ein nennenswerter Gewinn für den Verlag wurde dabei noch nicht erwirtschaftet. Fatal, denn selbst Konzernverlage produzieren Bestseller nicht auf Abruf. Meist wird ein Verlag von wenigen finanziell sehr erfolgreichen Titeln getragen. Bücher, die ein finanzieller Flopp sind, müssen querfinanziert werden.

Crowdfunding schafft ein bisschen Spielraum und gibt auch die Möglichkeit, durch einen selbst gewählten Betrag, die oft unrealistische Preisfindung in der Branche zu berücksichtigen. Oder man zahlt einfach das, was einem eine Geschichte, eine Idee oder ein guter Rat wert ist.

Unabhängig zur besten inhaltlichen und gestalterischen Lösung

Bücher haben, wenn man sie lässt, ihr eigenes Leben und erscheinen dann, wenn sie rauswollen oder -müssen. Sie sind Teil unserer Kultur und gesellschaftlichen Kommunikation und Auseinandersetzung mit Themen, die uns bewegen und uns wichtig sind. Finanzieller Druck auf die Verlage schadet der Vielfalt und Gestaltungsfreiheit der Literaturlandschaft. Eigentlich wichtige und schöne Bücher bleiben dann zu Gunsten finanziell erfolgversprechender Mainstreamliteratur in den Schubladen, anstatt die Menschen zu berühren und zu begeistern.

Guten Büchern sind wir ein hochwertig Ausstattung und eine liebevolle Gestaltung schuldig. Je geringer der finanzielle Druck auf den Verlag ist, desto freier und unabhängiger können wir Entscheidungen in Lektorat, Korrektorat, Design und Produktion treffen. Nur so können die Bücher auf Dauer wirklich zu dem werden, was sie sein sollten – ohne, dass an der Entstehung beteiligte ausgebeutet werden.

Auch im Buch »Buy this Shit – Die Rolle des Designers im ästhetischen Kapitalismus« geht es im Wesentlichen um den Konflikt, nur dann wirklich gute (Design-)Entscheidungen treffen zu können, wenn man nicht durch finanzielle Nöte korrumpier- bzw. beeinflussbar ist.

Fehlende strukturelle Verlagsförderung

Trotz mangelhafter Lesekompetenz bei Kindern und Jugendlichen und lückenhafter Bildung, wenn es um Demokratieverständnis geht, konnte sich die Politik bis jetzt noch nicht dazu durchringen, eine strukturelle Förderung für kleine Verlage aufzulegen. Der Wohlstand in Deutschland und unser gesellschaftlicher Zusammenhalt hängt maßgeblich von guter Bildung ab! Und Verlage und die literarische Vielfalt spielen dabei eine tragende Rolle.

Was passiert, wenn zu viel Macht auf einzelnen Informationskanälen/Konzernen konzentriert wird, sehen wir aktuell an den großen Tech-Giganten aus den USA – Meta, X und Google. Das darf uns in der Literaturlandschaft nicht passieren!

Im Großen und Ganzen teilen wir die Positionierung inkl. Eckpunkten zur strukturellen Verlagsförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels:

https://www.boersenverein.de/politik-positionen/strukturelle-verlagsfoerderung/

Das Gefühl, gemeinsam etwas bewegt zu haben

Für uns ist Crowdfunding weit mehr als nur eine alternative Finanzierungsform. Es ermöglicht eine direkte Verbindung zwischen Verlag, Autor:innen und Leser:innen. Ihr als Leser:innen werdet zu aktiven Unterstützer:innen und Teil eines Teams, das gemeinsam ein Buchprojekt realisiert. Dieses Gefühl, gemeinsam etwas bewegt und ein Werk ermöglicht zu haben, das sonst vielleicht in der geplanten Form und Qualität nie das Licht der Welt erblickt hätte, ist für uns sehr motivierend.

 

FAQ Crowdfunding für Verlage

Wenn damit die Bitte um Subventionen gemeint ist, die Unwuchten des Marktes ausgleichen und den Schwerpunkt auf das lenken, was uns als Gesellschaft wichtig sein sollte, auf jeden Fall! Natürlich freuen wir uns über freie Beiträge, also Geld ohne Gegenleistung, wie es auf den meisten Crowdfunding-Plattformen üblich bzw. möglich ist. Das gibt dem Projekt einen Extraboost und viele Kampagnen wären ohne Menschen, die mehr geben, als sie müssten, um unsere Bücher lesen zu können, nicht erfolgreich gewesen.

An dieser Stelle: Danke euch, ihr seid großartig!

Dennoch ist unser Anliegen, die Inhalte, die wir lieben, von denen wir überzeugt sind und die wir deshalb veröffentlichen, so vielen Menschen zugänglich zu machen, wie möglich. Deshalb freuen wir uns über jedes einzelne Buch, das unser Lager verlässt und sich zu euch auf den Weg macht.

Die inhaltliche und gestalterische Qualität eines Buches ist nur einer von vielen Faktoren für den finanziellen Erfolg. Reichweite, Größe, Finanzstärke und Bekanntheit des Verlags, Renommee und Reichweite der Autor:innen und Illustrator:innen sowie Relevanz und gesellschaftliche Sensibilität für das jeweilige Thema zum Veröffentlichungszeitpunkt sind oft entscheidender.

Nein. Sicher hast du schonmal einen mittelmäßigen Bestseller gekauft? Die Qualität war also offenbar nicht alleine ausschlaggebend für den Kauf. Natürlich ist ein Verlag ein Wirtschaftsunternehmen und damit grundsätzlich verpflichtet, nach Gewinn zu streben. Die Nachfrage hat man also zwangsläufig immer im Blick, aber es gibt eine Besonderheit in der Buchbranche: Wir haben uns als Gesellschaft darauf geeinigt, dass Bücher ein Kulturgut sind. Wissenschaftlich ist der Kulturbegriff schwer zu definieren, vielmehr gibt es mehrere Kulturbegriffe. Kultur zeichnet sich also per se durch eine gewisse Vielfalt aus. Man kann vielleicht nicht klar definieren, was es ist, aber sicher, was es nicht ist oder nicht allein ist: das, was die Mehrheit konsumiert. Wenn Literatur also ein Kulturgut ist, kann der Markt, der sich auf finanziellen Erfolg und nicht auf gesellschaftliche Wirksamkeit oder Allgemeinwohl stützt, nicht das alleinige Maß der Dinge sein. Er kann demnach auch nicht die Qualität eines Buches und dessen Wert für uns als Individuen oder als Gesellschaft verlässlich abbilden. Wenn dir also ein Buch gefällt, dann kauf es oder unterstütze die entsprechende Crowdfunding-Kampagne. Nicht nur, um dem Verlag zu zeigen, dass dich das Thema interessiert, sondern vor allem, dass er und die Autor:innen die Möglichkeit haben, weiterhin solche Bücher zu veröffentlichen. Der Markt regelt nichts, aber du kannst es!

Und eine Frage noch zum Schluss: Wenn ein Buch nur das Herz eines einzigen Lesers oder einer einzigen Leserin berührt, ist es dann schlecht?

Nein. In Deutschland gibt es eine Buchpreisbindung. Das bedeutet, dass der Ladenverkaufspreis vom Verlag festgelegt wird und das Buch dann für Leser:innen überall das gleiche kostet. Das schließt Crowdfunding mit ein, obwohl das Buch zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Handel ist. Du hast aber bei den meisten Kampagnen die Gelegenheit, dir besondere und exklusive »Dankeschöns«, wie z.B. ein signiertes Exemplar, zu sichern.

Auf jeden Fall! Wenn die Kampagne das Fundingziel erreicht hat und das Projekt umgesetzt wird, wird der Titel in wenigen Wochen in allen Buchhandlungen lieferbar sein. Vor allem, wenn du die »Buchhandlung von nebenan« unterstützen möchtest, ist das also eine gute Idee. Als Unterstützer:in einer unserer Crowdfunding-Kampagne sorgst du dafür, dass primär der Verlag profitiert und erstmal dafür gesorgt ist, dass unterstützte Projekte, aber auch weitere, überhaupt erst umgesetzt werden können.

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir eine Crowdfunding-Kampagne erstellen können, haben wir gemeinsam mit den Autor:inenn und Illustrator:innen an den Projekten zwischen 6 Monaten und 8 Jahren gearbeitet. Ein Projektabbruch wäre für alle Beteiligten ein schmerzhafter Verlust. Unser Herz hängt an jedem einzelnen Projekt, das wir anfangen, und es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn wir selbst mit den Möglichkeiten, die der Digitaldruck uns heute bietet, keine Möglichkeit finden, ein Buch auch zu veröffentlichen. In welcher Qualität das dann geschehen kann und ob alle Beteiligten ihren Einsatz und ihr Engagement dann auch in angemessener Höhe vergütet bekommen können, hängt natürlich schon von der verkauften Auflage ab.
Wenn es nicht explizit anders in unseren Kampagnen beschrieben ist, geht es also im Wesentlichen darum, die zu veröffentlichenden Titel in angemessener Qualität zu wirtschaftlichen Stückkosten zu produzieren und anschließend, wenn möglich, weitere Kosten zu decken.

Du hast Fragen, die wir nicht beantwortet haben? Dann schreib und eine E-Mail, wir ergänzen die Seite dann so schnell wie möglich.

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